Drei GWA-Wechsel in kurzer Zeit: Wie Alliander und KISTERS gemeinsam eine komplexe Migration gemeistert haben.
Ein Wechsel der Gateway-Administration (GWA) ist bereits unter normalen Bedingungen eine anspruchsvolle Aufgabe. Wenn jedoch mehrere Wechsel innerhalb kurzer Zeit, ein laufender Rollout von intelligenten Messsystemen (iMSys) sowie zusätzliche technische und organisatorische Anforderungen zusammenkommen, entsteht eine besondere Herausforderung.
Genau dieser standen die Alliander Netz Heinsberg GmbH, Netzbetreiber an der deutsch-niederländischen Grenze und KISTERS im Jahr 2025 gegenüber. Der IT-Anbieter für die Energiewirtschaft sollte seinen langjährigen Kunden Alliander, im Einsatz sind u.a. die Redispatch-Plattform, ein Leitsystem, Energiedatenmanagement und eine umfangreiche Metering-Suite, dabei unterstützen, die notwendige GWA-Migration sicher zu planen, technisch umzusetzen, gleichzeitig den laufenden Rollout weiterzuführen und zusätzlich die Integration der RLM-Messungen in die KISTERS-Systemlandschaft zu realisieren. Angesichts einiger ungünstiger Verkettungen war Alliander gezwungen, innerhalb kurzer Zeit gleich drei GWA-Wechsel auf ihren Smart Meter Gateways durchzuführen.
Hoher technischer Aufwand beim ersten Wechsel
Um den zeitkritischen und komplexen GWA-Wechsel durchführen zu können, errichtete Alliander kurzfristig eine Testumgebung, in der über 120 Smart Meter Gateways gleichzeitig unter Spannung gesetzt und somit it-technisch erreichbar waren.
Neben dem Aufbau der Geräte an der Testtafel waren weitere technische Anpassungen erforderlich. Dazu gehörten unter anderem der Austausch von SIM-Karten, die Einrichtung des Vodafone-APN (Access Point Name) für Alliander sowie der Aufbau notwendiger sicherer VPN-Verbindungen, unter anderem zur KISTERS-Systemlandschaft, um die Kommunikation mit den Gateways abzusichern.
Das Ergebnis: Von insgesamt 200 Gateways wurden 196 innerhalb der engen zeitlichen Rahmenbedingungen erfolgreich migriert, die restlichen vier Geräte waren nicht mehr funktionsfähig – unter den Umstände eine voller Erfolg.
Zweiter Wechsel auf eine neue Plattform
Unabhängig von den Aktivitäten bei Alliander wurde bei KISTERS eine strategische Entscheidung in puncto Gateway-Administration getroffen: Die bisher gemeinsam mit einem anderen Partner betriebene GWA-Lösung wurde durch die markterprobte Plattform des GWA-Spezialisten TREMONDi ersetzt, um insbesondere Aspekte wie Automatisierung und Verarbeitung von Massendaten, Hochverfügbarkeit und schlankem Ressourcenbedarf begegnen zu können.
Während die bisherige GWA in der KISTERScloud betrieben wurde, läuft die neue GWA im Rechenzentrum des Partners. Für bestehende Kunden wie Alliander bedeutete dies, dass ihre Smart Meter Gateways in die neue Umgebung überführt werden mussten, um sie weiterhin administrieren und die Messdaten zuverlässig bereitstellen zu können.
Alliander stand also Anfang 2025 gezwungenermaßen vor einem weiteren Wechsel und das in einer Phase, in der gleichzeitig die gesetzlichen Rollout-Vorgaben erfüllt werden mussten. Jan Erdweg, Projektleiter iMSYs Rolloutbei Alliander, sagt rückblickend: „Natürlich hätten wir den zweiten GWA-Wechsel gerne vermieden. Die Gründe für den Wechsel auf die TREMONDi-Plattform waren jedoch nachvollziehbar. Aufgrund guter Erfahrungen mit KISTERS in der Vergangenheit waren wir uns sicher, dass wir das gemeinsam stemmen können.“
Gemeinsame Lösung mit der Fast Lane
Da die KISTERS-Umgebung innerhalb der TREMONDi-Plattform zu diesem Zeitpunkt noch aufgebaut wurde, entwickelten KISTERS, TREMONDi und Alliander gemeinsam eine pragmatische Übergangslösung: die sogenannte Fast Lane. Diese ermöglichte es, die Migration bereits zu starten, während parallel die langfristige Zielumgebung aufgebaut wurde. Die Gateways konnten frühzeitig in den Verantwortungsbereich der neuen GWA überführt und der laufende Rollout ohne längere Unterbrechungen fortgeführt werden.
Innerhalb von rund sechs Monaten wurde der zweite GWA-Wechsel geplant, vorbereitet und umgesetzt. Entscheidend hierfür waren die enge Abstimmung aller Beteiligten sowie die Fähigkeit, kurzfristig pragmatische Lösungen zu entwickeln.
Migration in die KISTERS-Umgebung
Mit der Bereitstellung der Fast Lane war die Grundlage für den letzten Schritt geschaffen und es folgte die Migration in die produktive KISTERS-Umgebung innerhalb der TREMONDi-Plattform. Dadurch kann Alliander nun weiterhin auf die etablierte Betreuung durch KISTERS als Gateway-Administrator und BPO-Partner (Business Process Outsourcing) setzen. So wurde innerhalb kurzer Zeit bereits der dritte GWA-Wechsel umgesetzt und gleichzeitig die Grundlage für den langfristigen Betrieb innerhalb der KISTERS-Systemlandschaft geschaffen.
Der Rollout wurde bewusst gesteuert, bis die notwendigen Voraussetzungen innerhalb der Fast Lane geschaffen waren. Dadurch konnten die weiteren Schritte strukturiert und mit möglichst geringem Risiko umgesetzt werden.
Auch für die Fernauslesung von RLM-Messsungen geeignet
Zusätzlich zum laufenden GWA-Wechsel wurde beschlossen, auch die Zählerfernauslesung (ZFA) der RLM-Messstellen in die KISTERS-Umgebung zu überführen. Dadurch lassen sich nicht nur Lizenzkosten für ein zweites ZFA-System sparen, sondern es erleichtert auch den Mitarbeitenden die Arbeit, da sie nur ein einziges System administrieren müssen. Hier ging es um 250 RLM-Messstellen, davon 50 Gas, die nach einigen technischen Erweiterungen erfolgreich in die KISTERScloud integriert worden sind, so dass Alliander nun alle Messstellen in einem einzigen System verwalten kann.
Nächste Schritte
Neben den technischen Anforderungen war insbesondere die Zusammenarbeit zwischen Alliander, KISTERS und TREMONDi entscheidend für den Erfolg des Projekts. Trotz des hohen Zeitdrucks wurden Vereinbarungen eingehalten, Herausforderungen offen adressiert und gemeinsam praktikable Lösungen entwickelt.
Rainer Bischoff, Bereichsleiter Netzwirtschaft bei Alliander, fasst zusammen: „Dank KISTERS konnten wir unsere IT-Schnittstellen drastisch reduzieren und gesetzliche Aufgaben erfüllen. Der interne Systemwechsel auf TREMONDi war für uns ein absoluter Härtetest, der uns massiv unter Druck gesetzt hat. Dass wir dieses Projekt trotzdem erfolgreich gestemmt haben, beweist, dass wir den richtigen Partner gewählt haben.“
Nun stehen mit Aufgaben rund um die Umsetzung von §14a EnWG zur netzdienlichen Steuerung von Flexibilitäten im Niederspannungsnetz bereits die nächsten Entwicklungsschritte bevor, u.a. die produktive Anbindung der Smart Control Platform (CCM – CLS Channel Management), die Integration des FlexManagers als zentraler Komponente zur Koordination von netz- und marktdienlichen Steuerprozesse in den Haushalten, sowie die Interoperabilität zwischen CCM und GWA. Außerdem soll die Metering-Plattform weiterentwickelt werden. Auch Dr. Martin Büttgen, Geschäftsführer bei Alliander, zieht ein positives Fazit: „Mit KISTERS haben wir einen starken Partner an unserer Seite, ohne den ein Projekt dieser Größenordnung nicht möglich gewesen wäre. Wir freuen uns auf die kommenden Aufgaben und die gemeinsame Weiterentwicklung unserer Systemlandschaft.“
(Artikel der Kisters AG in Stadt + Werk)